Handwerkerleistungen Arbeitslohn schätzen

Bei der Einkommensteuererklärung mindern Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen das zu versteuernde Einkommen. Doch abzugsfähig ist nur der Arbeitslohn, nicht die Materialkosten. Voraussetzung: der Lohnanteil ist auf der Rechnung auch ausgewiesen und die Rechnung wurde durch Überweisung beglichen. Doch darf der Lohnanteil geschätzt werden, wenn eine gesonderte Angabe fehlt?

Die Rechtsprechung ist sich im Moment uneins. Der Bundesfinanzhof hatte eine Schätzung der Lohnkosten nicht beanstandet, wenn etwa Zweckverbände die Hausanschlusskosten mittels Bescheid über die Kostenerstattung festlegen (Urteil v. 20.3.2014, VI R 56/12, BStBl 2014 II S. 882). Genauso entschieden sowohl das Finanzgericht Brandenburg als auch das Finanzgericht Nürnberg in ähnlichen Fällen. Doch die Finanzämter erkennen die Schätzung von Arbeitskosten nach wie vor nicht an. Im November 2016 erschien das überarbeitete BMF-Schreiben zu §35a EStG, in dem diese Rechtsauffassung nochmals betont wird.

Auch das Finanzgericht Sachsen lehnte in einem aktuellen Verfahren die Schätzung der Arbeitskosten bei Handwerkerleistungen ab (Urteil v. 12.11.2015, 8 K 194/15). Gegen dieses Urteil ist Revision eingelegt worden. Der Bundesfinanzhof wird sich mit dem Thema also noch einmal beschäftigen müssen.

Daher der Tipp für alle betroffenen Steuerpflichtigen: Lehnt Ihr Finanzamt die Anerkennung der geschätzten Lohnkosten ab, so verweisen Sie auf die Entscheidungen der Finanzgerichte und des BFH. Legen Sie Einspruch ein und beantragen Sie ein Ruhen des Verfahrens, bis ein gültiges Urteil vorliegt.

Liegt bei Ihnen so ein Fall vor, wenden Sie sich vertrauensvoll an die Contax Steuerberatung in Velten.